Waldreport
W.A.L.D.- Report
Brauchen wir den Wolf in unserem Wald?
Teil 2: Forstschutz ohne die Jagd – Mechanische und chemische Schutzmaßnahmen
Im ersten Teil des W.A.L.D.-Reports haben wir uns mit der Jagd als wichtige Methode zur Regulierung des Wildbestands und zum Schutz der Forstkulturen auseinandergesetzt. Doch die Jagd allein kann nicht alle Probleme lösen. Daher gibt es eine Reihe von mechanischen und chemischen Möglichkeiten, die junge Bäume vor Verbiss und anderen Schäden durch Wild schützen. Heute werfen wir einen Blick auf diese Alternativen und erörtern deren Vor- und Nachteile, insbesondere in Bezug auf Effizienz, Kosten und den Aufwand, der für ihren Einsatz erforderlich ist.
1. Mechanischer Schutz: Zäune und Schutzhüllen
Eine der gängigsten Methoden im Forstschutz ist der Einsatz von mechanischen Barrieren, um den Zugang des Wildes zu den Pflanzen zu verhindern.
Wildschutzzäune
Wildschutzzäune bieten eine großflächige Lösung, um ganze Areale vor Wild zu schützen. Diese Zäune werden meist um forstwirtschaftlich genutzte Flächen oder besonders gefährdete Kulturflächen errichtet.
Vorteile:
- Hohe Effizienz: Wildschutzzäune bieten einen nahezu vollständigen Schutz gegen Verbiss. Besonders bei großen Flächen kann der Schutz effektiv und flächendeckend umgesetzt werden.
- Langfristige Lösung: Ein gut errichteter Zaun hält über viele Jahre, insbesondere wenn er regelmäßig gewartet wird.
- Weniger Wildkontakt: Da das Wild den Zugang gar nicht erst bekommt, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Wildschäden auf nahezu null.
Nachteile:
- Hohe Kosten: Die Errichtung und Instandhaltung von Wildschutzzäunen ist teuer. Vor allem bei großen Flächen oder unwegsamem Gelände können die Kosten schnell in die Höhe schießen.
- Aufwand für Wiederabbau: Nach einer gewissen Zeit müssen die Zäune wieder abgebaut oder ersetzt werden. Der Rückbau kann sich als sehr zeitaufwendig und kostenintensiv erweisen.
- Eingriff ins Landschaftsbild: Zäune verändern das natürliche Landschaftsbild und können die Bewegungsfreiheit von Wildtieren erheblich einschränken.
Einzelschutzhüllen
Für kleinere Forstflächen oder besonders schützenswerte Einzelpflanzen werden oft Schutzhüllen verwendet. Diese Hüllen bestehen aus Kunststoff oder Metall und werden direkt um den jungen Baum angebracht.
Vorteile:
- Zielgerichteter Schutz: Schutzhüllen schützen einzelne Pflanzen und lassen sich gezielt dort einsetzen, wo der Verbissdruck besonders hoch ist.
- Geringere Kosten pro Pflanze: Im Vergleich zu großflächigen Zäunen sind die Kosten pro Pflanze niedriger, da nur einzelne Exemplare geschützt werden.
- Einfache Installation: Die Anbringung ist schnell und einfach, auch ohne aufwendige Technik.
Nachteile:
- Regelmäßige Kontrolle nötig: Schutzhüllen müssen regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden, da sie bei Wachstum der Pflanzen oder durch Witterung beschädigt werden können.
- Langfristige Umweltbelastung: Besonders Kunststoffhüllen müssen nach einer bestimmten Zeit entfernt und entsorgt werden. Dies kann zu einer erheblichen Umweltbelastung führen, wenn sie nicht fachgerecht recycelt werden.
- Begrenzte Wirkung: Schutzhüllen schützen nur gegen Verbiss, bieten jedoch keinen Schutz gegen andere Wildschäden wie Fegen oder Schälen.
2. Chemischer Schutz: Verbissschutzmittel
Eine weitere Möglichkeit, Wild von jungen Forstpflanzen fernzuhalten, ist der Einsatz von chemischen Mitteln, die die Pflanzen ungenießbar oder unangenehm für das Wild machen. Diese Mittel werden in der Regel auf die Pflanzen aufgesprüht oder gestrichen.
Repellents (Abschreckende Mittel)
Repellents sind chemische Substanzen, die auf die Pflanze aufgebracht werden, um den Wildverbiss zu verhindern. Sie enthalten meist Bitterstoffe oder unangenehme Gerüche, die das Wild abschrecken sollen.
Vorteile:
- Einfache Anwendung: Die Mittel lassen sich schnell und großflächig auftragen, entweder per Hand oder mit Sprühgeräten.
- Kostenersparnis: Im Vergleich zu mechanischen Schutzmaßnahmen sind Repellents kostengünstiger, besonders auf kleineren Flächen oder bei weniger gefährdeten Kulturen.
- Keine Landschaftsveränderung: Chemische Mittel greifen nicht in das Landschaftsbild ein und lassen sich flexibel einsetzen.
Nachteile:
- Kurze Wirkungsdauer: Der Schutz hält oft nur einige Wochen bis Monate an, insbesondere bei starkem Regen oder anderen Witterungseinflüssen.
- Wiederholte Anwendung erforderlich: Um einen langfristigen Schutz zu gewährleisten, muss das Mittel regelmäßig erneuert werden, was einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeuten kann.
- Umweltbelastung: Einige chemische Mittel können negative Auswirkungen auf das Ökosystem haben, insbesondere wenn sie in großen Mengen oder über lange Zeiträume hinweg eingesetzt werden.
Bio-basierte Schutzmittel
Eine neuere Entwicklung im Bereich der chemischen Schutzmaßnahmen sind bio-basierte Mittel, die aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen und umweltfreundlicher sind.
Vorteile:
- Umweltfreundlich: Da die Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sind, belasten sie die Umwelt weniger stark als synthetische Chemikalien.
- Akzeptanz: Bio-basierte Mittel werden von Forstbetrieben zunehmend bevorzugt, da sie den ökologischen Fußabdruck der Schutzmaßnahmen reduzieren.
- Flexibilität im Einsatz: Auch diese Mittel lassen sich schnell und einfach auf die Pflanzen auftragen und sind für verschiedene Wildarten abschreckend.
Nachteile:
- Kostenintensiver als synthetische Mittel: Bio-basierte Schutzmittel sind oft teurer in der Herstellung und Anwendung als synthetische Alternativen.
- Geringere Effizienz: Die Wirkungsdauer und Effektivität dieser Mittel kann im Vergleich zu synthetischen Produkten geringer sein, was häufigere Anwendungen erfordert.
- Begrenzte Verfügbarkeit: Noch sind bio-basierte Schutzmittel nicht flächendeckend verfügbar und die Forschung in diesem Bereich steckt teilweise noch in den Anfängen.
Abschließend lässt sich festhalten, dass sowohl mechanische als auch chemische Schutzmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Forstschutz leisten können. Sie sollten jedoch stets als Ergänzung zur Jagd gesehen werden, da jedes System seine eigenen Stärken und Schwächen hat. Im dritten Teil dieses Berichts werden wir uns dann dem Wolf widmen und der Frage nachgehen, ob dieses faszinierende Tier in der Lage ist, wieder eine Rolle im Gleichgewicht des Waldes zu spielen. Seid gespannt!
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
W.A.L.D.- Report
Brauchen wir den Wolf in unserem Wald?
Teil 1: Die Jagd als Forstschutz im Fokus
Vor einigen Tagen durfte ich ein sehr inspirierendes Gespräch mit alten Freunden führen. Dabei konnte ich feststellen, dass die Thematik Forstschutz, Jagd und Wolf sich doch größeren Interesses erfreuen als bislang von mir angenommen. Somit wird diesem spannenden Tier die Ehre zuteil, den ersten Waldreport zu titulieren.
Doch fangen wir von vorne an:
Mein alter Freund fragte mich, ob ich denn zur Jagd gehe und was die Jagd für den Wald bedeutet. Natürlich liegt es auf der Hand, dass Wild gerne gegessen wird und ohne den Jäger ist es schwierig, Wildschweinbraten auf den Teller zu bekommen. Doch im Zeitalter der hochmodernen Landwirtschaft spielt die Jagd zum Zwecke der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln eine weit untergeordnete Rolle. Nun stellt sich also die Frage „Warum gehen wir heutzutage noch jagen? Ist es mittlerweile ein reines Hobby oder verfolgt die Jagd doch einen tieferen Sinn?“
Die Antwort ist schnell gefunden und eindeutig: Ja! – Die Jagd hat definitiv einen tieferen Sinn. Um diesen allerdings ergründen zu können, müssen wir noch etwas weiter ausholen: Wie schon festgestellt, bringt die Jagd gutes, natürliches Fleisch auf den Teller – allerdings gestaltet sich das in Wildtiergehegen wesentlich effektiver. Eine weitere Rolle spielt auch die Ausübung des Brauchtums. – Dieses soll und muss gepflegt werden. Aber auch darauf möchte ich nicht hinaus und will dies auch nicht vertiefen.
Interessant wird es, wenn wir uns mit dem Begriff „Wildbestandsregulierung“ befassen: Es gibt kaum natürliche Feinde für viele Wildarten, insbesondere für Rehe, Wildschweine und Hirsche. Und genau hier greifen Forstwirtschaft und Jagd ineinander. Auch in der Landwirtschaft können die Wildschweine Schaden verursachen – aber das soll nicht Thema sein. Also bleiben wir beim Forst.
Wo es auf dem Feld eher die Schweine sind, die den Schaden verursachen, sind es im Wald Reh-, Rot- und Damwild, die Schäden an der Kultur hinterlassen. Warum dennoch auch die Bejagung des Schwarzwildes wichtig ist, wird später noch interessant. Die Regulierung der Wilddichte ist ein altbewährtes Mittel zum Forstschutz. Gerade in den letzten Jahren, die von Trockenheit geprägt waren, ist das letzte, was eine junge Forstpflanze gebrauchen konnte, dass sie von einem Reh zurück gefressen wird. Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, dass also der Jäger, alle Rehe abschießt, bis fast keine mehr das sind, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Doch an dieser Stelle konnte ich meine Freunde beruhigen: Die Hege und Pflege des Wildes sind genauso wichtig. Es geht nie darum, eine Art auszurotten, denn das bringt ein Ungleichgewicht und eine endlose Liste an Nachteilen mit sich. Vielmehr geht es darum, eben dieses Gleichgewicht zu erhalten und gezielt Bereiche zu bejagen, in denen sich Forstkulturen befinden. Das Wild lernt und meidet solche Bereiche dann.
„Nun, aber warum ist es denn problematisch, dass das Reh an den Pflanzen frisst?“ (wir würden das als äßen bezeichnen) – Das kann man schnell erklären. Eine Buche kennt jeder. Die meisten denken an einen großen Baum mit starkem Stamm und einem höher liegenden Kronenansatz. Logisch, das ist die natürliche Wuchsform. Doch manchen fällt wahrscheinlich auch ihre Buchenhecke im Garten ein. Und genau das ist die Erklärung. Dieselbe Baumart, aber zwei grundverschiedene Formen. Wenn das Reh nun regelmäßig an dieser Buche äßt, bleibt eher eine Heckenpflanze als ein Baum. Daraus resultiert das Problem, dass sich kein Stamm entwickeln kann, und wenn doch, dann keiner, den man verwerten kann. Wenn es schlecht läuft, geht das kleine Bäumchen auch einfach ein. Das ist nicht gut für die Entwicklung des Waldes und auch nicht gut für die Forstwirtschaft. – Hier macht aber ganz klar die Menge das Gift. Wenn das an 20 Pflanzen passiert, kann man es verschmerzen. Wenn es allerdings 2000 sind, wird es problematisch. Neben dem beschriebenen „Verbiss“ gibt es noch weitere Schäden, die vom Wild verursacht werden: Fegeschäden und Schälschäden.

Fegeschaden an Tanne (Bildquelle:https://kwf2020.kwf-online.de/bewertung-von-wildschaeden-im-wald/)

Verbiss an Douglasie (Bildquelle:https://kwf2020.kwf-online.de/bewertung-von-wildschaeden-im-wald/)
Beim Lesen der Zeilen fällt auf: Reduzierte Wilddichte = Reduzierter Schaden an Forstkulturen. Je nach Flächenbeschaffenheit funktioniert die Bejagung besser oder schlechter, das hängt allerdings von einigen Faktoren ab. Wenn es nicht so gut funktioniert, gibt es noch einige andere Methoden zum Forstschutz, welche ich gern im Teil 2 des Themas beleuchten möchte. Im Teil 3 widme ich mich dann der Kernfrage: dem Wolf. Also seid gespannt!
Abschließend zum Thema möchte ich nochmal erwähnen, dass das Ökosystem Wald aus allen Lebewesen besteht, und keines mehr oder weniger wertvoll ist. Die Natur wird sich auch immer selbst regulieren, doch der Mensch musste sich einfach gewisse Bereiche schaffen, in denen er das gegebene Potential der Natur nutzt und in einen wirtschaftlichen Kontext setzt, da wir sonst ein großes Problem mit unseren Rohstoffen hätten. – Wenn man sich der Tatsache, dass wir als Mensch tief in die Vorgänge der Natur eingreifen müssen, um Rohstoffe zu gewinnen, stets bewusst ist, schult das einen verantwortungsvollem Umgang mit allen Ressourcen. Und das trägt wesentlich mehr zum Klimaschutz bei als man denkt.
In diesem Sinne ein Waidmannsheil an alle Jäger!
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
Was heißt W.A.L.D.- Report? Warum wurde er ins Leben gerufen?
Ich stoße in meinem alltäglichen Leben, egal ob als Dienstleister oder Privatperson, immer wieder auf sehr interessante Fragen rund um das Thema Wald. Schier endlos scheint mir das Themenspektrum und die Neugier der Menschen an den Geschehnissen im grünen Dickicht zu sein. Als gelernter Forstwirt und zertifizierter Baumpfleger ist es mir eine Herzensangelegenheit, euch mit Wissen auszustatten und vielleicht eine weitere neue Perspektive auf die Sicht der ein oder anderen Sache im Wald zu geben.
Der W.A.L.D.- Report ist keine statistische Faktensammlung oder irgendeine Art von Fachartikel. Es handelt sich viel mehr um spannende, lebensnahe Einblicke aus erster Hand - der eines Waldarbeiters. Schließlich heißt es doch mittlerweile überall „Wir müssen die Natur schützen! - Wir müssen unsere Bäume retten! - Wir müssen den Klimawandel begrenzen!“. Nur leider fehlt oftmals eben dieser Einblick zum Bewerten solcher Themen und der Tellerrand ist einfach zu groß, um den Blick darüber schweifen zu lassen. Allerdings möchte ich hier trotzdem nicht auf eine Politdebatte hinarbeiten. Eine Meinung kann sich schließlich jeder selbst bilden. Ich möchte meine Sicht der Dinge als Forstarbeiter und „Waldbursche“ gerne mit euch teilen.
Also gibt es hier ab und zu, wie es mir über den Weg läuft, die spannendsten Infos schön verpackt in kleine Geschichten und gespickt mit Wissensdingen, die hier und da zum Denken anregen und ein Schmankerl für den nächsten Stammtisch- Abend sein können.
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
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