Waldreport
W.A.L.D.- Report
Natur vor der eigenen Haustür
Teil 3: Warum geht meine Pflanze trotz Gießen ein?
Vor einigen Tagen haben wir uns im Rahmen unserer neuen Reihe „Natur vor der eigenen Haustür“ mit einer Frage beschäftigt, die auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewöhnlich klingt: Warum ist der Boden eigentlich wichtiger als die Pflanze?
Heute möchte ich genau dort weitermachen. Denn vermutlich kennt fast jeder Gartenbesitzer diese Situation: Man kauft eine schöne Pflanze, setzt sie mit viel Liebe in den Garten, gießt sie regelmäßig und trotzdem sieht sie nach einiger Zeit nicht mehr besonders glücklich aus. Die Blätter hängen, werden gelb oder braun und irgendwann geht die Pflanze einfach ein.
Nun könnte man natürlich sagen: „Dann hat sie wohl zu wenig Wasser bekommen.“ – Schließlich haben wir doch regelmäßig gegossen.
Doch genau hier liegt der Denkfehler.
Eine Pflanze kann tatsächlich trotz ausreichender Wasserversorgung verdursten.
Wie das funktioniert, möchte ich heute etwas genauer erklären.
Doch fangen wir von vorne an:
Eine Pflanze benötigt Wasser. Das steht außer Frage. Aber Wasser allein reicht natürlich nicht. Die Wurzeln müssen das Wasser auch aufnehmen können und genau dafür benötigen sie einen funktionierenden Boden.
Das klingt zunächst logisch. Trotzdem wird beim Pflanzen im eigenen Garten häufig viel mehr Wert auf die Pflanze selbst gelegt als auf das, was sich unter ihr befindet.
Wir suchen uns die Pflanze aus, kaufen vielleicht einen schönen Baum oder einen Strauch und überlegen, wo er optisch am besten hinpasst. Dann wird ein Loch gegraben, die Pflanze hineingesetzt und anschließend ordentlich gegossen.
Und dann beginnt das Warten.
Doch was passiert eigentlich unter der Erde?
Die Wurzeln sind entscheidend
Was wir oberhalb des Bodens sehen, ist eigentlich nur ein Teil der Pflanze. Der vielleicht noch viel wichtigere Teil befindet sich unter unseren Füßen.
Die Wurzeln sorgen dafür, dass die Pflanze Wasser und Nährstoffe aufnehmen kann. Gleichzeitig geben sie der Pflanze Halt und erschließen den Boden.
Dafür benötigen sie allerdings Platz.
Ein gesunder Boden besteht nämlich nicht nur aus Erde. Zwischen den einzelnen Bodenbestandteilen befinden sich unzählige kleine Hohlräume. Diese sind mit Wasser oder Luft gefüllt und bilden zusammen ein regelrechtes Netzwerk.
Und genau dieses Netzwerk ist für die Pflanze entscheidend.
Wird der Boden beispielsweise durch Fahrzeuge, schwere Maschinen oder auch durch häufiges Betreten verdichtet, werden diese Hohlräume zusammengedrückt.
Die Folge: Weniger Luft, weniger Wasseraufnahme und weniger Platz für die Wurzeln.
Jetzt könnte man natürlich auf den Gedanken kommen: „Dann gieße ich eben einfach noch mehr.“
Und genau hier kommen wir zum nächsten Problem.
Wenn zu viel Wasser genauso schlecht ist wie zu wenig
Eine Pflanze braucht Wasser – aber sie braucht auch Luft.
Das klingt zunächst etwas widersprüchlich. Schließlich wollen wir mit dem Gießen doch Wasser in den Boden bringen.
Doch die Wurzeln benötigen Sauerstoff, um richtig arbeiten zu können. Ist der Boden dauerhaft mit Wasser gesättigt, können die luftgefüllten Poren verschwinden.
Es entsteht Staunässe.
Das Problem dabei ist nicht unbedingt, dass die Pflanze zu viel Wasser bekommt. Das eigentliche Problem ist, dass die Wurzeln keinen ausreichenden Sauerstoff mehr bekommen.
Die Wurzeln beginnen zu leiden und können irgendwann ihre Funktion nicht mehr erfüllen.
Das Interessante daran: Oberhalb der Erde sieht es zunächst teilweise genauso aus wie bei Wassermangel.
Die Blätter hängen.
Die Pflanze wächst schlecht.
Blätter verfärben sich.
Und irgendwann stirbt die Pflanze ab.
Jetzt denkt der Gartenbesitzer vielleicht: „Sie braucht noch mehr Wasser.“
Also wird wieder gegossen.
Damit verschlimmert man das eigentliche Problem allerdings nur noch.
Also lieber weniger gießen?
Auch das wäre zu einfach.
Denn genauso problematisch wie Staunässe kann natürlich ein trockener Boden sein.
Gerade in den vergangenen Jahren haben wir gesehen, wie schnell Böden austrocknen können. Hohe Temperaturen, lange Trockenperioden und fehlende Niederschläge setzen unseren Pflanzen ordentlich zu.
Hier kommt wieder die Bodenstruktur ins Spiel.
Ein guter Boden kann Wasser speichern und es nach und nach wieder an die Pflanzen abgeben. Besonders Humus spielt dabei eine wichtige Rolle.
Ein Boden mit einer guten Struktur funktioniert vereinfacht gesagt ein wenig wie ein Schwamm.
Er nimmt Wasser auf, speichert einen Teil davon und stellt es den Pflanzenwurzeln später wieder zur Verfügung.
Ist der Boden dagegen stark verdichtet oder sehr arm an organischer Substanz, kann das Wasser schlechter eindringen und schlechter gespeichert werden.
Dann kann es passieren, dass man eine Pflanze gießt, das Wasser aber entweder oberflächlich abläuft oder gar nicht in die Bereiche gelangt, in denen sich die Wurzeln befinden.
Man gießt also – aber die Pflanze bekommt trotzdem nicht das, was sie benötigt.
Der Standort spielt ebenfalls eine große Rolle
Jetzt haben wir bereits drei mögliche Ursachen gefunden:
Zu wenig Wasser.
Zu viel Wasser.
Oder ein Boden, der das Wasser nicht richtig aufnehmen und speichern kann.
Doch es gibt noch einen weiteren Punkt, der gerne vergessen wird:
Der Standort.
Nicht jede Pflanze fühlt sich an jedem Ort wohl.
Eine Pflanze, die ursprünglich an sonnigen, trockenen Standorten wächst, wird mit einem dauerhaft nassen und schattigen Standort wahrscheinlich wenig Freude haben.
Umgekehrt wird eine Pflanze, die einen frischen und eher feuchten Boden bevorzugt, mit einem vollsonnigen und trockenen Platz möglicherweise ebenfalls Probleme bekommen.
Und hier wird es interessant.
Man kann die beste Pflanze kaufen, das teuerste Substrat verwenden und perfekt gießen – wenn der Standort nicht zur Pflanze passt, wird es schwierig.
Deshalb sollte eigentlich nicht die Frage lauten:
„Wo möchte ich diese Pflanze haben?“
Sondern:
„Wo fühlt sich diese Pflanze wohl?“
Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.
Auch die Wurzeln brauchen ihren Platz
Ein weiterer Punkt, den ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte, ist der verfügbare Wurzelraum.
Wir setzen einen Baum oder Strauch in ein Pflanzloch und denken zunächst, dass dieses Loch groß genug sein wird.
Doch eine Pflanze wächst.
Und damit wachsen auch ihre Wurzeln.
Gerade bei Bäumen kann sich der Wurzelraum über viele Quadratmeter erstrecken. Wenn rund um die Pflanze aber nur ein kleines Pflanzloch vorhanden ist und der umliegende Boden stark verdichtet wurde, bekommt die Pflanze langfristig Probleme.
Das ist ein bisschen so, als würde man einem Menschen zwar ein schönes Haus bauen, ihm aber nur einen sehr kleinen Raum zum Leben zur Verfügung stellen.
Kurzfristig funktioniert das.
Langfristig wird es schwierig.
Und wie gieße ich nun richtig?
Die Antwort lautet auch hier nicht einfach: „Jeden Tag ein bisschen.“
Im Gegenteil.
Häufiges oberflächliches Gießen kann dazu führen, dass sich die Wurzeln überwiegend im oberen Bodenbereich entwickeln. Dieser trocknet allerdings besonders schnell wieder aus.
Besser ist es in vielen Fällen, seltener, dafür durchdringender zu gießen.
Dabei sollte das Wasser möglichst dort ankommen, wo sich die Wurzeln befinden.
Natürlich hängt die richtige Menge von der Pflanze, dem Boden, dem Standort und der Witterung ab. Ein frisch gepflanzter Baum hat andere Bedürfnisse als ein eingewachsener Strauch.
Und auch ein sandiger Boden verhält sich beim Gießen völlig anders als ein schwerer Lehmboden.
Deshalb gibt es leider auch hier keine universelle Gießmenge, die für jede Pflanze funktioniert.
Der einfache Fingertest
Es muss aber nicht immer kompliziert werden.
Gerade im Garten kann man mit einem einfachen Test schon sehr viel herausfinden:
Einfach einmal mit dem Finger in den Boden fühlen.
Ist die Erde auch einige Zentimeter unter der Oberfläche noch feucht, muss nicht sofort wieder gegossen werden.
Ist sie dagegen trocken und locker, kann Wasser durchaus sinnvoll sein.
Noch besser ist es natürlich, nicht nur die Oberfläche zu betrachten.
Denn die kann trocken aussehen, während es darunter noch ausreichend feucht ist – oder genau andersherum.
Was können wir also festhalten?
Wenn eine Pflanze trotz regelmäßigem Gießen eingeht, muss das nicht bedeuten, dass wir zu wenig gegossen haben.
Vielleicht steht sie zu nass.
Vielleicht ist der Boden verdichtet.
Vielleicht können die Wurzeln nicht ausreichend wachsen.
Vielleicht passt der Standort nicht.
Vielleicht erreicht das Wasser die Wurzeln gar nicht.
Oder vielleicht wird schlicht zu häufig und zu oberflächlich gegossen.
Die Pflanze selbst ist also häufig gar nicht das eigentliche Problem.
Und genau deshalb möchte ich auch diesen Report mit einem Gedanken abschließen, der bereits im letzten Teil eine Rolle gespielt hat:
Nicht die Pflanze beginnt mit der Pflanzung – sondern dem Boden.
Wenn wir unseren Garten langfristig gesund erhalten möchten, müssen wir lernen, etwas genauer hinzusehen.
Nicht nur auf die Blätter.
Nicht nur auf die Blüten.
Sondern auch auf das, was darunter passiert.
Ein gesunder Boden ist die Grundlage für gesunde Pflanzen. Und wer seinen Boden versteht, kann viele Probleme vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.
Denn manchmal braucht unsere Pflanze eben nicht mehr Wasser – sondern besseren Boden.
In diesem Sinne wünsche ich allen Gartenbesitzern viel Freude beim nächsten Blick unter die Oberfläche.
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
W.A.L.D.- Report
Natur vor der eigenen Haustür
Teil 2: Warum ist der Boden wichtiger als die Pflanze?
Wenn wir eine neue Pflanze für unseren Garten kaufen, schauen wir meistens zuerst auf die Pflanze selbst. Gefällt uns die Blütenfarbe? Wie groß wird sie? Ist sie winterhart? Passt sie optisch zu unserem Garten? Und natürlich stellt sich auch die Frage: Wo bekommen wir sie am günstigsten?
Was dabei allerdings häufig vergessen wird, ist das, worin die Pflanze später einmal wachsen soll: der Boden.
Und genau deshalb möchte ich mich heute mit einer Frage beschäftigen, die zunächst vielleicht etwas ungewöhnlich klingt:
Warum ist der Boden wichtiger als die Pflanze?
Natürlich ist die Pflanze wichtig. Ohne die richtige Pflanze kann auch der beste Boden nicht zaubern. Aber selbst die schönste und teuerste Pflanze wird sich nicht dauerhaft entwickeln können, wenn ihr Standort nicht zu ihren Bedürfnissen passt.
Doch fangen wir von vorne an:
Wenn wir einen Baum oder eine andere Pflanze betrachten, sehen wir zunächst nur den Teil, der sich oberhalb des Bodens befindet. Stamm, Äste, Blätter, Blüten – das alles ist für uns sichtbar. Unterhalb der Oberfläche passiert allerdings mindestens genauso viel.
Die Wurzeln verankern die Pflanze im Boden, nehmen Wasser und Nährstoffe auf und stehen gleichzeitig in engem Kontakt mit unzähligen Bodenorganismen.
Und genau hier beginnt die eigentliche Geschichte.
Ein gesunder Boden ist nämlich keineswegs einfach nur „Dreck“, in den man eine Pflanze hineinsetzt. Er ist ein eigenes Ökosystem.
In einer Handvoll gesunden Bodens können sich unzählige Lebewesen befinden. Bakterien, Pilze, kleine Bodentiere und natürlich auch größere Organismen wie Regenwürmer sind Teil dieses Systems. Sie zersetzen organisches Material, bauen Humus auf und tragen dazu bei, dass Nährstoffe wieder für Pflanzen verfügbar werden.
Nun könnte man auf den Gedanken kommen: „Dann gebe ich einfach etwas Dünger dazu und die Pflanze wächst.“
Ganz so einfach ist es leider nicht.
Denn eine Pflanze benötigt nicht nur Nährstoffe. Sie benötigt auch Wasser – und gleichzeitig Luft im Boden.
Das klingt zunächst etwas widersprüchlich. Wasser und Luft gleichzeitig im Boden?
Doch genau das ist entscheidend.
Ein gesunder Boden besteht nicht nur aus festen Bestandteilen. Zwischen den Bodenpartikeln befinden sich zahlreiche Poren. Einige davon können Wasser speichern, andere ermöglichen den Austausch von Luft. Dadurch können die Wurzeln mit Wasser versorgt werden und gleichzeitig Sauerstoff aufnehmen.
Und genau hier kommt die Bodenstruktur ins Spiel.
Wird ein Boden stark verdichtet, werden diese Poren zusammengedrückt. Wasser kann schlechter versickern und Luft kann schlechter in den Boden gelangen. Die Wurzeln haben es schwerer, sich auszubreiten, und bei starker Verdichtung kann sogar Staunässe entstehen.
Das Problem dabei ist: Von oben sieht man häufig zunächst gar nichts.
Die Pflanze steht da, sieht vielleicht sogar noch gesund aus – und trotzdem entwickelt sich ihr Wurzelsystem nicht so, wie es sollte.
Besonders interessant wird das bei neu angelegten Gärten.
Wenn Häuser gebaut werden, fahren schwere Maschinen über die Flächen. Erde wird bewegt, gelagert und wieder verteilt. Der natürliche Bodenaufbau wird dadurch häufig stark verändert.
Wo vorher über viele Jahre oder Jahrzehnte ein gewachsener Boden entstanden ist, befindet sich anschließend nicht selten eine Mischung aus verschiedenen Bodenschichten, aufgefülltem Material und verdichteten Bereichen.
Und dann kommt die neue Pflanze.
Sie wird gekauft, fachgerecht gepflanzt, bekommt vielleicht noch etwas Dünger und wird regelmäßig gegossen. Trotzdem will sie einfach nicht richtig wachsen.
Jetzt könnte man sagen: „Die Pflanze taugt nichts.“
Doch vielleicht liegt das Problem überhaupt nicht an der Pflanze.
Vielleicht liegt es am Standort.
Genau deshalb ist bei einer Pflanzung die Frage „Was möchte ich pflanzen?“ eigentlich nur die halbe Wahrheit.
Die andere Frage lautet:
„Was bietet mein Standort?“
Denn nicht jede Pflanze möchte denselben Boden.
Eine Pflanze, die trockene und durchlässige Böden bevorzugt, wird mit einem dauerhaft nassen Standort ihre Probleme bekommen. Eine Pflanze, die einen nährstoffreichen und eher feuchten Boden benötigt, wird auf einem extrem trockenen und mageren Standort ebenfalls nicht glücklich werden.
Das ist im Grunde nichts anderes als bei uns Menschen.
Wenn ich jemandem einen Wintermantel gebe, der bei 30 Grad im Schatten arbeiten muss, ist der Mantel nicht automatisch schlecht. Er passt nur nicht zur Situation.
Bei Pflanzen sprechen wir dabei von der Standortgerechtigkeit.
Und genau dieser Begriff ist im Garten wesentlich wichtiger, als viele denken.
Bevor ich mich also für eine bestimmte Pflanze entscheide, sollte ich mir den Standort anschauen. Wie viel Sonne bekommt die Fläche? Wie schnell trocknet der Boden aus? Kann Wasser versickern? Wie nährstoffreich ist der Boden? Ist er sandig, lehmig oder vielleicht sehr tonhaltig? Und wurde der Boden durch Bauarbeiten oder schwere Maschinen verändert?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, macht es wirklich Sinn, über die passende Pflanze nachzudenken.
Nun stellt sich natürlich die Frage: Was können wir als Gartenbesitzer überhaupt tun?
Die Antwort ist eigentlich relativ einfach: Wir sollten den Boden nicht nur als Untergrund betrachten, sondern als Lebensraum.
Dazu gehört beispielsweise, unnötige Bodenverdichtung zu vermeiden, organisches Material wieder in den Kreislauf zurückzuführen und den Boden nicht ständig völlig „aufzuräumen“.
Laub ist beispielsweise nicht automatisch Abfall. Es kann, richtig eingesetzt, wieder zu wertvollem organischem Material werden.
Auch das regelmäßige Umgraben des Bodens ist nicht immer notwendig oder sinnvoll. Je weniger wir ein funktionierendes Bodensystem stören, desto besser kann es sich entwickeln.
Und natürlich sollte auch bei der Pflanzung selbst darauf geachtet werden, dass der Boden entsprechend vorbereitet wird.
Dabei geht es nicht darum, für jede Pflanze einen perfekten Laborboden herzustellen.
Vielmehr geht es darum, die Eigenschaften des vorhandenen Bodens zu verstehen und Pflanzen auszuwählen, die mit diesen Bedingungen zurechtkommen.
Denn am Ende gilt auch hier wieder:
Die richtige Pflanze am richtigen Standort ist meistens besser als die falsche Pflanze mit noch mehr Pflege.
Das spart nicht nur Arbeit, sondern kann langfristig auch Geld sparen.
Denn wenn eine Pflanze ständig unter ihrem Standort leidet, wird sie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge, wächst schlechter und benötigt häufig mehr Pflege. Im schlimmsten Fall muss sie nach einigen Jahren ersetzt werden.
Und dann beginnen wir wieder von vorne.
Vielleicht sollten wir deshalb beim nächsten Pflanzenkauf nicht zuerst in die Gärtnerei fahren.
Vielleicht sollten wir zuerst einmal in unseren eigenen Garten gehen.
Ein bisschen Erde in die Hand nehmen. Schauen, wie sie sich anfühlt. Beobachten, wie schnell Wasser versickert. Einen Spaten nehmen und sich anschauen, was unter der Oberfläche passiert.
Denn dort beginnt das Leben unserer Pflanzen.
Mein Fazit:
Der Boden ist nicht wichtiger, weil die Pflanze unwichtig wäre.
Er ist wichtig, weil er die Grundlage dafür schafft, dass eine Pflanze überhaupt gesund wachsen kann.
Ein schöner Garten beginnt deshalb nicht mit der schönsten Pflanze.
Er beginnt mit einem guten Standort und einem Boden, der zur Pflanze passt.
Und vielleicht sollten wir uns viel häufiger fragen, was unser Boden eigentlich braucht, bevor wir uns fragen, was wir in ihn hinein pflanzen möchten.
Denn wenn wir den Boden verstehen und pflegen, schaffen wir die Grundlage für gesunde Pflanzen, weniger Pflegeaufwand und einen Garten, der auch langfristig funktioniert.
Wie wichtig dabei gerade der Wasserhaushalt des Bodens ist und warum eine Pflanze trotz regelmäßigen Gießens Probleme bekommen kann, schauen wir uns in einem der nächsten Reports genauer an.
Und genau darum geht es bei „Natur vor der eigenen Haustür“: Nicht nur einen Garten zu gestalten, sondern die Zusammenhänge dahinter zu verstehen.
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
W.A.L.D.- Report
Natur vor der eigenen Haustür
Teil 1: Braucht jeder Garten einen Baum?
Wenn wir an einen schönen Garten denken, hat wahrscheinlich jeder sein eigenes Bild vor Augen. Die einen denken an eine große Rasenfläche, andere an bunte Blumenbeete, eine gepflegte Hecke oder vielleicht an eine schöne Terrasse. Doch eines haben viele Gärten gemeinsam: Irgendwann stellt sich die Frage, ob nicht auch ein Baum in den Garten gehört.
Nun könnte man natürlich sagen: „Ein Baum macht doch nur Arbeit. Er wird groß, wirft Laub ab und irgendwann muss er geschnitten werden.“ – Und genau damit wären wir schon mitten im Thema.
Braucht denn wirklich jeder Garten einen Baum?
Die Antwort darauf ist nicht ganz so einfach. Natürlich braucht nicht jeder Garten zwingend einen Baum. Gerade bei sehr kleinen Grundstücken kann ein großer Baum schnell zum Problem werden. Aber wenn es die Platzverhältnisse zulassen, hat ein Baum im eigenen Garten wesentlich mehr zu bieten, als nur schön auszusehen.
Doch fangen wir von vorne an:
Ein Baum ist zunächst einmal eine Pflanze. Das klingt banal, ist aber für die weitere Betrachtung wichtig. Denn im Gegensatz zu vielen kleineren Gartenpflanzen begleitet uns ein Baum oft über Jahrzehnte. Aus einem kleinen Setzling kann innerhalb weniger Jahre ein stattlicher Baum werden, der den Charakter eines gesamten Gartens verändert.
Und genau darin liegt bereits eine seiner größten Eigenschaften: Ein Baum schafft Raum.
Unter seiner Krone entsteht Schatten, im Sommer kann sich darunter ein angenehm kühler Aufenthaltsort entwickeln und gleichzeitig verändert der Baum das Kleinklima im gesamten Umfeld. Durch seine Blätter verdunstet Wasser, wodurch der Baum seiner Umgebung Wärme entzieht. Gerade in Zeiten, in denen wir immer häufiger mit heißen und trockenen Sommern zu kämpfen haben, wird dieser Aspekt zunehmend interessant.
Aber natürlich spendet ein Baum nicht nur Schatten.
Ein Baum ist Lebensraum. In seiner Krone können Vögel brüten, Insekten Nahrung finden und zahlreiche weitere Lebewesen Unterschlupf suchen. Je älter ein Baum wird, desto interessanter wird er aus ökologischer Sicht. Rinde, Äste, Höhlen, abgestorbene Bereiche und später auch Totholz bieten Lebensräume, die wir mit einem neu gepflanzten Baum zunächst gar nicht schaffen können.
Nun könnte man auf den Gedanken kommen: „Dann pflanze ich einfach irgendeinen Baum und lasse ihn wachsen.“
Ganz so einfach ist es leider nicht.
Denn genau wie bei jeder anderen Pflanze spielt der Standort eine entscheidende Rolle. Ein Baum, der auf einem Standort nicht zurechtkommt, wird auch mit der besten Pflege irgendwann Probleme bekommen. Boden, Wasserangebot, Lichtverhältnisse und natürlich auch der zur Verfügung stehende Platz müssen berücksichtigt werden.
Ein kleiner Baum kann schließlich einmal ein großer Baum werden.
Und hier liegt ein Problem, das ich im Garten immer wieder beobachten kann: Bei der Pflanzung wird häufig nur darüber nachgedacht, wie der Baum heute aussieht. Kaum jemand denkt darüber nach, wie er in 20, 30 oder vielleicht sogar 50 Jahren aussehen wird.
Das ist ungefähr so, als würde man heute ein Auto kaufen und sich erst später Gedanken darüber machen, ob es überhaupt in die Garage passt.
Gerade bei Bäumen sollte man deshalb nicht nur die Frage stellen: „Welcher Baum gefällt mir?“, sondern vielmehr: „Welcher Baum passt zu meinem Garten?“
Dabei spielt auch die spätere Pflege eine Rolle.
Ein fachgerecht gepflanzter und standortgerechter Baum benötigt in den ersten Jahren natürlich Pflege. Er muss ausreichend mit Wasser versorgt werden und sollte in seiner Entwicklung beobachtet werden. Auch ein Erziehungsschnitt kann sinnvoll sein, damit sich der Baum von Anfang an vernünftig entwickeln kann.
Hier wird häufig ein Fehler gemacht: Man lässt einen jungen Baum jahrelang wachsen und stellt erst dann fest, dass sich Äste ungünstig entwickelt haben oder die Krone nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Was in jungen Jahren noch mit einem kleinen Schnitt erledigt werden könnte, kann später einen erheblich größeren Eingriff erforderlich machen.
Aber kommen wir noch einmal zurück zu unserer eigentlichen Frage:
Braucht jeder Garten einen Baum?
Nein. Aber ich bin der Meinung, dass wir dort, wo die Möglichkeit besteht, nicht leichtfertig darauf verzichten sollten.
Ein Baum ist kein Gartenmöbel, das man bei Bedarf austauscht. Er ist ein Lebewesen, das seinen eigenen Entwicklungszyklus besitzt und uns im besten Fall über viele Jahrzehnte begleitet.
Vielleicht pflanzen wir heute einen Baum, von dem wir selbst erst in 30 Jahren wirklich etwas haben. Vielleicht erleben wir seine volle Größe sogar gar nicht mehr.
Aber genau das ist für mich einer der schönsten Gedanken bei der Pflanzung eines Baumes.
Wir pflanzen nicht nur für uns.
Wir pflanzen für die Menschen, die nach uns kommen.
Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ein Baum im eigenen Garten mehr sein kann als nur ein schönes Gestaltungselement.
Er spendet Schatten, bindet Kohlenstoff, beeinflusst das Kleinklima, bietet Lebensraum und kann über Generationen hinweg Teil eines Gartens bleiben.
Natürlich muss nicht jeder Garten eine große Eiche beherbergen. Manchmal ist ein kleiner Obstbaum die bessere Wahl, manchmal ein standortgerechter Laubbaum und manchmal ist aufgrund der Platzverhältnisse tatsächlich kein Baum die richtige Entscheidung.
Entscheidend ist deshalb nicht, dass ein Baum gepflanzt wird, sondern welcher Baum, an welchem Standort und mit welchem Ziel.
Denn auch hier gilt: Die Natur gibt uns vieles vor – wir müssen nur lernen, sie richtig zu lesen.
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
W.A.L.D.- Report
Natur vor der eigenen Haustür
Nach unseren ersten drei W.A.L.D.-Reports, in denen wir uns mit dem Wald, der Jagd, dem Forstschutz und schließlich dem Wolf beschäftigt haben, möchte ich den Blick nun etwas näher zu uns nach Hause richten.
Denn Natur beginnt nicht erst dort, wo der Wald anfängt. Sie beginnt direkt vor unserer Haustür – im eigenen Garten, auf der Wiese, in der Hecke und natürlich auch bei den Bäumen.
Dabei möchte ich in den kommenden Reports verschiedenen Themen rund um Garten, Pflanzen, Bäume und die Natur vor unserer Haustür auf den Grund gehen. Was ist wirklich sinnvoll? Was braucht ein Garten und was vielleicht nicht? Und wie können wir unsere Gärten so gestalten und pflegen, dass sie sowohl unseren Ansprüchen als auch der Natur gerecht werden?
Doch fangen wir von vorne an...
W.A.L.D.- Report
Brauchen wir den Wolf in unserem Wald?
Teil 3: Der Wolf als Schlüsselfaktor im Ökosystem Wald
Im letzten Teil unserer Serie wollen wir uns einer der spannendsten und zugleich kontroversesten Fragen der heutigen Forstwirtschaft widmen: Braucht unser Wald den Wolf? Während sich in Teil 1 und 2 alles um die Jagd und technische sowie chemische Schutzmaßnahmen drehte, schauen wir heute auf das natürliche Gleichgewicht. Der Wolf – lange Zeit aus unseren Wäldern verschwunden – kehrt langsam zurück. Doch welche Rolle spielt dieses Raubtier im modernen Forstschutz? Trägt der Wolf tatsächlich dazu bei, die Wildbestände zu regulieren und so den Wald zu schützen? Die Antwort darauf lautet: ganz klar Ja.
1. Der Wolf als Regulator von Wildbeständen
Der Wolf ist ein natürlicher Feind vieler Wildarten, insbesondere von Rehen und Hirschen, und trägt entscheidend dazu bei, die Populationen dieser Tiere in Schach zu halten. Ohne natürliche Feinde haben sich Wildbestände vielerorts ungehindert vermehrt, was zu einer Überpopulation führte – mit gravierenden Folgen für die Forstwirtschaft, wie wir in den vorherigen Teilen gesehen haben. Durch Verbiss, Fegen und Schälen schädigt das Wild insbesondere junge Forstkulturen, die für die nachhaltige Entwicklung unserer Wälder von entscheidender Bedeutung sind.
Der Wolf reduziert den Verbissdruck
Indem der Wolf als Beutegreifer auf Reh-, Rot- und Damwild Jagd macht, verringert er deren Bestände und trägt somit zur Reduzierung des Verbissdrucks bei. Besonders junge Pflanzen, die oft Opfer von Wildschäden werden, haben eine deutlich bessere Überlebenschance, wenn die Wilddichte durch natürliche Feinde wie den Wolf gesenkt wird.
Vorteile:
- Effizienz: Der Wolf jagt gezielt kranke, schwache oder unerfahrene Tiere und hält so den Bestand gesund, was den Druck auf die Vegetation verringert. Seine Jagd ist nicht saisonal begrenzt, sondern eine konstante Regulierung.
- Natürliches Gleichgewicht: Anders als die Jagd durch den Menschen greift der Wolf viel stärker in die Dynamik der Wildpopulation ein. Durch seine Anwesenheit werden Wildtiere vorsichtiger und ändern ihr Verhalten – zum Beispiel meiden sie bestimmte Areale, was der Verjüngung der Waldflächen zugutekommt.
- Kostenfrei und autark: Im Gegensatz zu mechanischen oder chemischen Schutzmaßnahmen verursacht der Wolf keine direkten Kosten. Er übernimmt seine Aufgabe als natürlicher Regulator autark und ohne menschliches Zutun.
Verhaltensänderung des Wildes
Nicht nur durch die direkte Bejagung trägt der Wolf zum Forstschutz bei, sondern auch durch die Veränderung des Verhaltens des Wildes. In Gebieten, in denen Wölfe regelmäßig vorkommen, haben Wissenschaftler beobachtet, dass Wildtiere vorsichtiger werden und sich seltener auf offenen Flächen oder in jungen Kulturen aufhalten – genau dort, wo Verbissschäden am größten sind.
Vorteile:
- Verstärkte Rückzugstendenzen: Rehe und Hirsche meiden Gebiete, in denen sie sich sicher fühlen müssen, was die Bejagung durch den Wolf erschwert. Diese Gebiete sind häufig forstwirtschaftlich genutzte Flächen, sodass der Schutz vor Verbissschäden steigt.
- Förderung der Biodiversität: Durch die Veränderung des Wildverhaltens wird auch die natürliche Dynamik der Pflanzenwelt gefördert. Arten, die sonst von starkem Verbiss betroffen wären, können sich besser entwickeln, was zu einer größeren Artenvielfalt im Wald führt.
- Langfristige Effekte: Die Anpassung des Wildverhaltens ist ein Prozess, der langfristig zum Schutz der Waldkulturen beiträgt, und nicht nur von der direkten Wilddichte abhängig ist.
2. Herausforderungen und Kritik
Natürlich ist die Rückkehr des Wolfs nicht ohne Herausforderungen. Besonders in der Nutztierhaltung und für die Jagd ergeben sich Konflikte, die nicht ignoriert werden dürfen. Schaf- und Rinderhalter sehen sich oft durch Wolfsrisse bedroht, und auch viele Jäger sehen den Wolf als Konkurrenten. Diese Ängste und Probleme sind nachvollziehbar, doch es gibt Möglichkeiten, diese Konflikte durch gezielte Maßnahmen zu lösen. Schutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde und Zäune sind hier sinnvoll und tragen dazu bei, ein Nebeneinander von Mensch, Wolf und landwirtschaftlicher Nutzung zu ermöglichen.
Nachteile:
- Konflikte mit Nutztierhaltung: In Gebieten, in denen der Wolf präsent ist, kommt es immer wieder zu Rissen von Schafen oder anderen Nutztieren. Dies erfordert Maßnahmen, um Tierhalter zu unterstützen und Schäden zu kompensieren.
- Eingriff in Jagdgebiete: Für Jäger bedeutet die Rückkehr des Wolfs eine Konkurrenzsituation, da er ebenfalls Wildbestände dezimiert. Dies kann zu Spannungen führen, vor allem in stark bejagten Revieren.
- Schwierige Akzeptanz: Die Akzeptanz des Wolfs in der Bevölkerung ist noch nicht überall gleich hoch. Vor allem in ländlichen Gebieten, die wirtschaftlich auf Nutztierhaltung angewiesen sind, muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.
3. Fazit: Brauchen wir den Wolf im Wald?
Die Antwort ist klar: Ja, unser Wald braucht den Wolf. Der Wolf leistet einen wichtigen Beitrag zur Regulierung von Wildbeständen und hilft dabei, das Gleichgewicht in unseren Wäldern zu erhalten. Er bringt nicht nur die Natur zurück in ihre natürliche Balance, sondern reduziert auch den Verbissdruck auf Forstkulturen und fördert damit die gesunde Entwicklung unserer Wälder. Natürlich müssen wir lernen, mit den Herausforderungen umzugehen, die die Rückkehr des Wolfs mit sich bringt. Aber durch gezielte Schutzmaßnahmen und eine offene Diskussion über die Bedeutung dieses faszinierenden Tieres können wir den Weg für ein Miteinander von Mensch, Wolf und Wald ebnen.
In einer Zeit, in der der Schutz unserer natürlichen Ressourcen wichtiger ist denn je, können wir uns die Rolle des Wolfs im Forstschutz nicht mehr wegdenken. Denn nur durch das Zusammenspiel aller Kräfte – der Jagd, mechanischer und chemischer Maßnahmen sowie der natürlichen Regulierung durch den Wolf – können wir langfristig gesunde und widerstandsfähige Wälder erhalten.
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider
Kontaktdaten
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Einsiedler Hauptstraße 52
09123 Chemnitz
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Unsere Leistungen
Spezialbaumfällung
Nichts ist unmöglich, wir finden für jeden Baum eine Lösung, egal ob schwer zugänglich oder richtig hoch – Wir machen alles klein!
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Holztransport / Brennholz
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