Brauchen wir den Wolf in unserem Wald?
Teil 1: Die Jagd als Forstschutz im Fokus
Vor einigen Tagen durfte ich ein sehr inspirierendes Gespräch mit alten Freunden führen. Dabei konnte ich feststellen, dass die Thematik Forstschutz, Jagd und Wolf sich doch größeren Interesses erfreuen als bislang von mir angenommen. Somit wird diesem spannenden Tier die Ehre zuteil, den ersten Waldreport zu titulieren.
Doch fangen wir von vorne an:
Mein alter Freund fragte mich, ob ich denn zur Jagd gehe und was die Jagd für den Wald bedeutet. Natürlich liegt es auf der Hand, dass Wild gerne gegessen wird und ohne den Jäger ist es schwierig, Wildschweinbraten auf den Teller zu bekommen. Doch im Zeitalter der hochmodernen Landwirtschaft spielt die Jagd zum Zwecke der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln eine weit untergeordnete Rolle. Nun stellt sich also die Frage „Warum gehen wir heutzutage noch jagen? Ist es mittlerweile ein reines Hobby oder verfolgt die Jagd doch einen tieferen Sinn?“
Die Antwort ist schnell gefunden und eindeutig: Ja! – Die Jagd hat definitiv einen tieferen Sinn. Um diesen allerdings ergründen zu können, müssen wir noch etwas weiter ausholen: Wie schon festgestellt, bringt die Jagd gutes, natürliches Fleisch auf den Teller – allerdings gestaltet sich das in Wildtiergehegen wesentlich effektiver. Eine weitere Rolle spielt auch die Ausübung des Brauchtums. – Dieses soll und muss gepflegt werden. Aber auch darauf möchte ich nicht hinaus und will dies auch nicht vertiefen.
Interessant wird es, wenn wir uns mit dem Begriff „Wildbestandsregulierung“ befassen: Es gibt kaum natürliche Feinde für viele Wildarten, insbesondere für Rehe, Wildschweine und Hirsche. Und genau hier greifen Forstwirtschaft und Jagd ineinander. Auch in der Landwirtschaft können die Wildschweine Schaden verursachen – aber das soll nicht Thema sein. Also bleiben wir beim Forst.
Wo es auf dem Feld eher die Schweine sind, die den Schaden verursachen, sind es im Wald Reh-, Rot- und Damwild, die Schäden an der Kultur hinterlassen. Warum dennoch auch die Bejagung des Schwarzwildes wichtig ist, wird später noch interessant. Die Regulierung der Wilddichte ist ein altbewährtes Mittel zum Forstschutz. Gerade in den letzten Jahren, die von Trockenheit geprägt waren, ist das letzte, was eine junge Forstpflanze gebrauchen konnte, dass sie von einem Reh zurück gefressen wird. Jetzt könnte man auf den Gedanken kommen, dass also der Jäger, alle Rehe abschießt, bis fast keine mehr das sind, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Doch an dieser Stelle konnte ich meine Freunde beruhigen: Die Hege und Pflege des Wildes sind genauso wichtig. Es geht nie darum, eine Art auszurotten, denn das bringt ein Ungleichgewicht und eine endlose Liste an Nachteilen mit sich. Vielmehr geht es darum, eben dieses Gleichgewicht zu erhalten und gezielt Bereiche zu bejagen, in denen sich Forstkulturen befinden. Das Wild lernt und meidet solche Bereiche dann.
„Nun, aber warum ist es denn problematisch, dass das Reh an den Pflanzen frisst?“ (wir würden das als äßen bezeichnen) – Das kann man schnell erklären. Eine Buche kennt jeder. Die meisten denken an einen großen Baum mit starkem Stamm und einem höher liegenden Kronenansatz. Logisch, das ist die natürliche Wuchsform. Doch manchen fällt wahrscheinlich auch ihre Buchenhecke im Garten ein. Und genau das ist die Erklärung. Dieselbe Baumart, aber zwei grundverschiedene Formen. Wenn das Reh nun regelmäßig an dieser Buche äßt, bleibt eher eine Heckenpflanze als ein Baum. Daraus resultiert das Problem, dass sich kein Stamm entwickeln kann, und wenn doch, dann keiner, den man verwerten kann. Wenn es schlecht läuft, geht das kleine Bäumchen auch einfach ein. Das ist nicht gut für die Entwicklung des Waldes und auch nicht gut für die Forstwirtschaft. – Hier macht aber ganz klar die Menge das Gift. Wenn das an 20 Pflanzen passiert, kann man es verschmerzen. Wenn es allerdings 2000 sind, wird es problematisch. Neben dem beschriebenen „Verbiss“ gibt es noch weitere Schäden, die vom Wild verursacht werden: Fegeschäden und Schälschäden.

Fegeschaden an Tanne (Bildquelle:https://kwf2020.kwf-online.de/bewertung-von-wildschaeden-im-wald/)

Verbiss an Douglasie (Bildquelle:https://kwf2020.kwf-online.de/bewertung-von-wildschaeden-im-wald/)
Beim Lesen der Zeilen fällt auf: Reduzierte Wilddichte = Reduzierter Schaden an Forstkulturen. Je nach Flächenbeschaffenheit funktioniert die Bejagung besser oder schlechter, das hängt allerdings von einigen Faktoren ab. Wenn es nicht so gut funktioniert, gibt es noch einige andere Methoden zum Forstschutz, welche ich gern im Teil 2 des Themas beleuchten möchte. Im Teil 3 widme ich mich dann der Kernfrage: dem Wolf. Also seid gespannt!
Abschließend zum Thema möchte ich nochmal erwähnen, dass das Ökosystem Wald aus allen Lebewesen besteht, und keines mehr oder weniger wertvoll ist. Die Natur wird sich auch immer selbst regulieren, doch der Mensch musste sich einfach gewisse Bereiche schaffen, in denen er das gegebene Potential der Natur nutzt und in einen wirtschaftlichen Kontext setzt, da wir sonst ein großes Problem mit unseren Rohstoffen hätten. – Wenn man sich der Tatsache, dass wir als Mensch tief in die Vorgänge der Natur eingreifen müssen, um Rohstoffe zu gewinnen, stets bewusst ist, schult das einen verantwortungsvollem Umgang mit allen Ressourcen. Und das trägt wesentlich mehr zum Klimaschutz bei als man denkt.
In diesem Sinne ein Waidmannsheil an alle Jäger!
Mit forstlichen Grüßen
Richard Schneider